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Der Name verrät den Lebensraum dieser Wildbiene: Heide-Blattschneiderbiene. Sie gilt als gefährdet, da ihre Lebensräume durch intensive Agrarwirtschaft schwinden.
Der Name verrät den Lebensraum dieser Wildbiene: Heide-Blattschneiderbiene. Sie gilt als gefährdet, da ihre Lebensräume durch intensive Agrarwirtschaft schwinden.

Der Name verrät den Lebensraum dieser Wildbiene: Heide-Blattschneiderbiene. Sie gilt als gefährdet, da ihre Lebensräume durch intensive Agrarwirtschaft schwinden. Bild: Imago

Lebensräume

Pestizide werden sparsamer eingesetzt. Aber die Gefährlichkeit der verwendeten Produkte steigt

Effizientere Pestizide sind zwar für den Landwirt gut, aber nicht immer auch für Schmetterlinge oder Fische. Und manchmal schadet sogar die beste Absicht: Das Verbot von sogenannten Bienenkillern bedroht nun kleine Wasserkrebse.

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Pestizide werden sparsamer eingesetzt. Aber die Gefährlichkeit der verwendeten Produkte steigt

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In vielen Ländern Europas sinken oder stagnieren die Mengen an verkauften Pestiziden seit einigen Jahren, so auch in Deutschland und der Schweiz.

Es ist anzunehmen, dass auch die Menge an ausgebrachten Pflanzenschutzmitteln geringer ist als früher. Genaue Zahlen zum tatsächlichen Einsatz existieren jedoch nicht.

Doch hinter dieser auf den ersten Blick guten Nachricht verbirgt sich eine schlechte.

Die ausgebrachte Toxizität hat nämlich zugenommen. Obwohl also eine geringere Menge versprüht wird, tötet diese mehr Tiere und Pflanzen ab als bisher. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung von Wissenschaftern des Instituts für Umweltwissenschaften an der Technischen Universität Kaiserslautern-Landau.

Warum die Toxizität steigt

Experten nennen zwei Gründe für die zunehmende Toxizität auf den Feldern. «Viele der heutzutage eingesetzten Pestizide sind effektiver als ihre Vorgänger», sagt Ralf Schulz, Ökotoxikologe und Leiter des Landauer Forschungsteams. «Somit werden zwar mehr Schädlinge abgetötet, aber auch mehr nützliche oder harmlose Tiere und Pflanzen bedroht.»

Der zweite Grund seien Verschiebungen im Insektizidgebrauch, ergänzt Marion Junghans, Ökotoxikologin am Schweizerischen Ökotoxzentrum in Dübendorf. Um Bienen zu schützen, gelten seit 2018 in der EU wie auch in der Schweiz Verbote oder starke Einschränkungen für mehrere Mittel aus der Gruppe der Neonicotinoide. Als Ersatz würden sogenannte Pyrethroide verwendet.

Zunahme der Toxizität wird seit Jahren beobachtet

Die heutzutage verwendeten Pyrethroide sind chemisch abgewandelte Substanzen eines Moleküls, das Chrysanthemen produzieren. Sie wehren damit Insekten ab, die an ihren Blüten knabbern wollen. Pyrethroide schädigen das Nervensystem der Insekten und töten sie dadurch. Sie vernichten Schädlinge wie Mücken, Käfer oder Läuse gleichermassen wie harmlose Falter, Libellen oder Bienen. Zudem sind Pyrethroide sehr giftig für im Wasser abgelegte Insektenlarven oder Kleinkrebse und auch Fische. In grösseren Mengen sind Pyrethroide sogar für Menschen gefährlich.

«Die Zunahme der Toxizität sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland ist ein etablierter negativer Trend», sagt Schulz. Das mache es schwer, ihn zu ändern. Somit würden beide Länder das in der Konvention zur Biodiversität formulierte Ziel verfehlen.

Die sogenannte Kunming-Montreal-Konvention sieht vor, dass bis 2030 das von Pestiziden für die Biodiversität ausgehende Risiko um 50 Prozent gesenkt werden soll. Deutschland wie auch die Schweiz gehören zu den fast 200 Ländern, die Ende 2022 die Konvention unterzeichnet und sich damit verpflichtet haben, das Ziel zu erreichen.

Fungizide sind eine Gefahr für Bodenorganismen

Zunehmend Sorgen bereiten den Experten neben den Insektiziden auch Fungizide, also Produkte gegen schädliche Pilze wie Schimmel. Denn es gibt immer mehr Hinweise, dass diese Antipilzmittel auch zahlreiche Bodenorganismen wie Würmer abtöten.

Zudem stören sie den Stoffwechsel wichtiger Bakterien im Boden. Diese wohnen an den Pflanzenwurzeln und extrahieren wichtige Nährstoffe wie Stickstoff oder Phosphor aus dem Boden. Die Bakterien versorgen die Pflanzenwurzeln mit den aufbereiteten Nährstoffen. Fungizide beeinträchtigen die Verarbeitung der Nährstoffe.

Dies hat ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Marcel van der Heijden von der Universität Zürich in einer sehr umfangreichen Studie vergangenen Dezember gezeigt. Die Wissenschafter haben Pestizidrückstände sowie Bodenorganismen von mehr als 370 Orten aus 26 EU-Ländern analysiert. Sie untersuchten sowohl Ackerland als auch Wiesen und Waldflächen. Die Vielfalt der Effekte der Fungizide, aber auch der anderen Pestizide auf Bodenbewohner habe man zuvor nicht gekannt, betonen die Autoren.

Ebenso überraschend sei das Ausmass der Auswirkungen, die Pestizide auf die Bodenorganismen hätten. Denn ein Drittel der gefundenen Unterschiede zwischen behandelten und unbehandelten Flächen gehe auf die chemischen Mittel zurück.

Weitere Ursachen für den Verlust von Biodiversität

Pestizide sind jedoch keineswegs die einzige Bedrohung für Tiere und Pflanzen und somit auch nicht die alleinige Ursache des oft diskutierten Insektensterbens. Gemäss dem kürzlich veröffentlichten Bericht zur Biodiversität in der Schweiz gibt es weitere wichtige Faktoren. Dazu zählen ein schwindender und zersiedelter Lebensraum, zu hohe Stickstoffdüngung in der Landwirtschaft, der Klimawandel oder auch die Einwanderung fremder Arten.

Stephanie Lahrtz, «Neue Zürcher Zeitung» (06.02.2026)

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Dieser Artikel behandelt folgende SDGs

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, vereinbart von den UN-Mitgliedsstaaten in der Agenda 2030. Sie decken Themen wie Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser, erneuerbare Energie, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Klimaschutz und den Schutz der Ozeane und der Biodiversität ab.

13 - Massnahmen zum Klimaschutz
15 - Leben an Land

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