Planet A - NZZ

Macht dem Volk in der Klimapolitik

Gänzlich unerwartet bekam Edith Siebenstich im vergangenen Herbst Post von der österreichischen Statistikbehörde. Sie sei für den Klimarat ausgewählt, zufällig ausgesucht aus einem Pool von Österreichern. Ein Auszug aus dem NZZ Newsletter «Planet A».

Bild: PD

30. Juli 2022

Die erste Reaktion der 57-jährigen Filialleiterin eines Bekleidungsgeschäfts aus Wien war: «Jo, was habe ich mit dem Klima am Hut? Damit habe ich ja überhaupt nichts am Hut», erinnert sie sich im Gespräch.

Eine Art «Mini-Österreich» fürs Klima

Anfang des Monats veröffentlichte dieser Rat seinen Abschlussbericht darüber, wie das Land bis 2040 die Klimaneutralität erreichen könne. Der Klimarat stelle eine Art «Mini-Österreich» dar, so beschreibt es die Regierung. Ausgewählt werden konnten nur Bewohnerinnen und Bewohner, die mindestens fünf Jahre ihren Hauptwohnsitz in Österreich hatten und mindestens 16 Jahre alt waren. Das Endergebnis solle den Querschnitt der Gesellschaft widerspiegeln, eine bunte Mischung hinsichtlich Geschlecht, Alter, Bildungsstand und Wohnort.

Bis dahin, so Edith Siebenstich, war der Eindruck von Klimaschützern eher gewesen, «das ist alles Aktionismus, alles etwas radikaler». Damit habe sie nichts zu tun haben wollen. Nach Absprache mit der Familie war dennoch eine Entscheidung getroffen. Die Neugierde überwog: «Ich schau mir das an.»

Können Bürgerräte die Klimapolitik verbessern?

Österreich reiht sich damit in eine immer länger werdende Liste von europäischen Ländern ein, die solche Initiativen in den vergangenen Jahren ins Leben gerufen haben, um die Wähler näher an die Klimapolitik zu binden. Im Gespräch mit Edith Siebenstich zeigt sich, dass solche Versammlungen zum persönlichen Engagement für den Klimaschutz führen können, auch wenn die erarbeiteten Vorschläge noch nicht direkt von Politikern übernommen werden. Es zeigt auch, dass die Bereitschaft zum Handeln wohl ausgeprägter ist, als es so mancher Politiker den Wählern zutraut – vor allem dann, wenn Wissen über den Klimawandel und seine Folgen klar vermittelt werden kann.

Das ganze Interview im Newsletter «Planet A».

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