Wochenfokus - Editorial Team

«Auch wenn wir nur ein kleiner Laden sind – ohne Eigeninitiative passiert nicht viel»

Haben Sie beim Einkaufen schon mal auf die enorme Menge Verpackungsmaterial geachtet? Plastik überall. Dieses Problem lösen Unverpacktläden. Martina Fischer von der «Abfülleraj» erzählt, was man da alle so kaufen kann und ob es wirklich so viel teurer ist.

Martina mit Priska, Feride, Simone und Yvonne. Gemeinsam führen sie die Abfülleraj in Rapperswil-Jona.

3. August 2022

Was hat dich dazu bewegt, einen Unverpacktladen mitzugründen?

Martina Fischer: Wir wollten etwas gegen den Abfall und die Verschwendung der Ressourcen unternehmen. Gleichzeitig wollten wir das noch vielen weiteren Menschen zugänglich machen. Da es in der Umgebung keinen Unverpacktladen gab, nahmen wir die Sache gleich selbst in die Hand.

Seit wann gibt es die Abfülleraj und wer arbeitet alles mit?

Anfangs 2020 trafen wir uns das erste Mal zu fünft und schnell war klar, dass das gut harmoniert. Dann ging das grosse Planen los. Am 10. August 2021 eröffneten wir dann den Unverpacktladen mit Kafi in Rappi-Jona.

Was kann man alles so kaufen bei euch?

Einen Grossteil des täglichen Grundbedarfs kann bei uns abgedeckt werden. Wir bieten von Getreide, Reis, Pasta, Hülsenfrüchte über Trockenfrüchte, Gewürze, Süssungsmittel, Schleckwaren bis hin zu Kosmetikprodukte und Reinigungsmittel alles an. Ein Früchte- und Gemüseangebot in dem Sinne bieten wir nicht, deswegen arbeiten wir mit den einem Bauernhof zusammen – so können sich Kund:innen Gemüsetaschen direkt nach Hause liefern lassen oder bei uns abholen. Käse und Brot findet man bei uns allerdings nicht – dafür gibt's in der nahen Umgebung tolle Fachgeschäfte.

Ist es viel teurer als ein herkömmlicher Einkauf?

Eine gute Frage. Grundsätzlich muss man immer gleiches mit gleichem vergleichen. Natürlich ist Schweizer Bio-Qualität im Vergleich zu ausländischen konventionellen Produkten meist teurer. Hier zahlt man aber auch für faire Löhne und eine hochwertige Produktion mit. Gleichzeitig lassen sich durch die einmaligen Anschaffungskosten von Mehrwegalternativen wie beispielweise Trinkflaschen, Backpapier oder auch Ohrstäbchen viel Geld einsparen. Geschätzt ist es 10 – 20 Prozent teurer, doch dafür spart man Unmengen an Plastik und Verpackungen ein.

Ein passendes Zitat dazu: "It's only one straw", said 8 billion people.

Wer sind eure typischen Kunden?

Das gibt es bei uns nicht. Bei uns kaufen Familien mit Kindern, Schüler:innen und Student:innen, junge Erwachsene, Ältere aber auch Pensionierte ein. Gerade für die Kleinen ist es ein tolles Erlebnis mit ihren Eltern unverpackt einzukaufen und für ältere Leute hingegen praktisch, weil sie kleine Mengen kaufen können.

Und wer sind so eure Lieferanten?

Unser Credo lautet: «möglichst nah und fair produziert». Daher ist ein Grossteil der Produkte in Bio-Qualität erhältlich. Eier und Milchprodukte beziehen wir beispielsweise von Bauernhöfen aus der Region. Auch etwa die Linthmais Tortilla Chips, Aroniabeeren, Konfitüren, diversen Flocken oder etwa die Quinoa kommen aus der Umgebung. Und unsere Kosmetiklinie wird im Appenzellerland handgemacht. Auf unserer Webseite sind die Schweizer Produkte gekennzeichnet.

Bei der Auswahl der Lieferanten spielt aber auch immer die Verpackung eine grosse Rolle. Davon wollen wir ja möglichst wenig oder wenn möglich Mehrweg.

Ihr ladet auch Schulklassen bei euch für Einkaufserlebnisse ein. Wie ist die Reaktion der Kinder?

Schüler:innen haben meist grossen Spass in der Abfülleraj. Sie dürfen sich dann selbst etwas in das eigene Glas abfüllen - für viele von ihnen ist es das erste Mal. Oft kommen sie dann zurück mit ihren Eltern. Nach dem Einkauf verweilen sie gerne noch etwas in unserem Kafi und essen von den hausgemachten Leckereien.

Das Plastikproblem ist riesig, mit dem Laden steuert ihr dagegen. Fühlt ihr euch so, als würdet ihr damit etwas Gutes tun für die Welt?

Ja! Im Ladenkafi kommen wir täglich mit neuen Leuten ins Gespräch, das motiviert weiterzumachen. Auch wenn wir nur ein kleiner Laden sind – ohne Eigeninitiative passiert nicht viel. Unser neustes Projekt sind Firmengeschenke. Damit möchten wir Unternehmen inspirieren, ihren Mitarbeitenden auf eine nachhaltige Art und Weise Wertschätzung zu zeigen. Perfekt auch als Weihnachtsgeschenke!

Nun möchte ich weniger Abfall produzieren… wie gehe ich am besten vor?

Wenn man mit leeren Gefässen, zum Beispiel Gläser, Tupperware, Stoffsäcken, in den Unverpacktladen kommt, ist die wichtigste Vorbereitung bereits getan. Wir zeigen Anfänger:innen gerne direkt im Laden wie unverpackt einkaufen funktioniert. Es gibt viele spannende Tipps, um im Alltag weniger Abfall zu produzieren.

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