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Erste Testfahrt der zirkulären LKW-Plane von FREITAG
Produktion & Konsum Wirtschaft

Erste Testfahrt der zirkulären LKW-Plane von FREITAG

FREITAG entwickelt zusammen mit verschiedenen Industriepartnern eine zirkuläre Lastwagenplane. Sie soll nach einem langen, nächsten Leben als FREITAG Tasche nicht im Müll, sondern wieder im Stoff-Kreislauf landen. Ein erster Prototyp ist seit Juni auf Testfahrt. Wir durften mit Bigna Salzmann, Circular Technologist bei Freitag, über die Vision und den Weg dahin sprechen.

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Circular Hub: Frau Salzmann, FREITAG hat die Entwicklung einer zirkulären Plane angestossen. Was hat euch dazu bewogen und welche Vision verbirgt sich dahinter?

Bigna Salzmann: Seit es FREITAG gibt, denken und handeln wir in Kreisläufen. Mit der Entwicklung von F-ABRIC, unserer in Europa produzierten und 100% kompostierbaren Kleiderlinie, konnten wir den biologischen Kreislauf bereits schliessen. Unsere Taschen aus gebrauchten LKW-Planen hingegen sind im Upcycling-Bereich zu Hause. Mit umfassenden Reparaturservices und einer Gratis-Tauschplattform verlängern wir zwar ihren Lebenszyklus noch einmal um ein paar Jahre, aber der technische Materialkreislauf lässt sich damit noch nicht ganz schliessen. Auch wenn wir bei FREITAG nur Letztverwerterin des Planenmaterials sind, war uns das natürlich schon länger ein Dorn im Auge. Deshalb haben wir vor zwei Jahren verschiedene Industriepartner an einen Tisch gebracht, um gemeinsam mit ihnen eine komplett kreislauffähige LKW-Plane zu entwickeln. Damit unsere Taschen nicht nur rezykliert, sondern zukünftig auch immer wieder rezyklierbar sind - und der europäische Schwerverkehr ein bisschen grüner.

Es gibt diverse Ansätze, Materialien kreislauffähig zu machen. Auf welchen fokussiert ihr euch bei der zirkulären LKW-Plane?

Wir verfolgen einen sehr offenen, ganzheitlichen Ansatz. Von unseren vier verschiedenen Entwicklungssträngen bewegen sich drei im technischen und einer im biologischen Kreislauf. Im technischen Kreislauf steht die Rückgewinnbarkeit, Rezyklierbarkeit sowie die Materialgesundheit bei Herstellung, Gebrauch und End-of-Use im Vordergrund. Im biologischen Kreislauf, den wir schon von unserer Kleiderlinie kennen, zählt ein ressourcenschonender Anbau von Rohstoffen, welcher möglichst nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht. Welches der vier Teilprojekte zur ersten kommerziellen, kreislauffähigen LKW-Plane wird, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht voraussagen, aber insgesamt sind in diesem Projekt die Entwicklungsstränge im technischen Kreislauf weiter fortgeschritten.

Welche Rolle nimmt FREITAG in dieser «Planenrevolution» ein?

Unsere eigene Rolle sehen wir als Ideengeberin, Vernetzerin und Multiplikatorin, mit der Motivation, die Extrameile zu gehen, die es für die Umsetzung von zukunftsfähigen Lösungen braucht.

Über Kontakte aus unserem Tagesgeschäft - z.B. Speditionen und Planen-Konfektionäre - haben wir die gesamte Planenlieferkette abgeklappert und nach interessanten und interessierten Partnern mit dem benötigten Material-, Chemie- und Verbund-Know-How Ausschau gehalten. Zusammen mit Unternehmen und Institutionen aus dem Bereich der Kreislauffähigkeits- und Materialprüfung ist so ein heterogenes Kollektiv aus hoch motivierten Partnern entstanden. Gemeinsam arbeiten wir nun zielorientiert und mehrspurig an einer zirkulären Plane.

Ihr stosst einen Veränderungsprozess in der euch vorgelagerten Industrie an. Welche Erfahrungen habt ihr dabei gemacht?

«Freitag will im 2021 einen ersten Prototypen auf der Strasse haben.» Mit diesem Satz sind wir auf zahlreiche potenzielle Partner zugegangen. Spannenderweise gab es eigentlich nur zwei Arten von Reaktionen darauf: Die einen stuften die geplante Neuentwicklung als interessant, aber im Vergleich zu PVC als viel zu teuer ein. Die anderen waren gemeinsam mit uns der Überzeugung, dass an einer kreislauffähigen Plane kein Weg vorbei führt. Mit unseren aktuellen Partnern teilen wir das Bekenntnis zur Kreislaufwirtschaft, die Neugier, positive Veränderungen anzustossen, und die Ambition, marktfähige Lösungen zu entwickeln.

Wer müsste solche Veränderungen idealerweise initiieren?

Veränderungen können durch Nachfrage angestossen oder durch den Gesetzgeber eingeleitet werden - ein Beispiel für letzteres ist der Green Deal der EU. Und grundsätzlich besteht am Anfang der Wertschöpfungskette und im Aufbau von Partnerschaften wohl das grösste Potential, die Weichen so zu stellen, dass Kreisläufe möglichst schnell geschlossen werden können. Unser Beispiel zeigt, dass man auch als KMU und vom Ende der Wertschöpfungskette einen entscheidenden Beitrag leisten kann, um eine positive Veränderung einzuleiten. Der Weg zur Kreislaufwirtschaft wird nur im Teamsport funktionieren.

Kreislaufwirtschaft geht weit über die Materialebene hinaus. Damit das zirkuläre Material am Ende eines Lebenszyklus den Weg in den nächsten findet, müssen auch passende Geschäftsmodelle und Prozesse ausgearbeitet werden. Habt Ihr schon eine Vorstellung davon, wie dies aussehen könnte?

Wir haben uns bereits in den Anfängen des Projektes erste Gedanken dazu gemacht. Setzen wir auf ein Leasingmodell, wo lediglich der Nutzer ändert oder wird tatsächlich der Besitzer gewechselt und der Rohstoffe am Ende wieder zurückgekauft? Es gibt verschiedene Optionen. Allen gemeinsam ist, dass die Rückführung in den Materialstrom gewährleistet bleiben muss, Recyclingtechnologien bekannt sind und die Rohstoffe möglichst wieder gleichwertig eingesetzt werden.

Wie geht es weiter im Projekt? Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Je nach Entwicklungsstrang braucht es noch einiges an Forschung, aber so wie es zur Zeit aussieht, können wir noch dieses Jahr einen weiteren Planen-Prototypen auf die Strasse schicken. Parallel dazu intensivieren wir die Gespräche über passende zirkuläre Geschäftsmodelle und Prozesse. Wer weiss, vielleicht bringt dieses Projekt nicht nur mehr Kreislauffähigkeit in die Transportlogistik: Da planenähnliche Materialien in zahlreichen Bereichen eingesetzt werden - von Werbebannern, über Zelte bis hin zu Abdeckungen für Bau und Landwirtschaft - könnte unser Entwicklungskollektiv mit einer marktfähigen Alternative zur heutigen Plane einen wesentlichen Beitrag zu einer Zero-Waste Future leisten.

Dieser Beitrag ist Teil der Medienpartnerschaft mit Circular Hub, der Wissens- und Netzwerkplattform für die Kreislaufwirtschaft in der Schweiz.

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