Ricola produziert neun Milliarden Kräuterbonbons im Jahr. Mit Abstand der grösste Abnehmer sind die USA. Ist diese starke Marktposition für Ricola angesichts der deutlich gestiegenen US-Importzölle unter Präsident Trump zum Problem geworden?
Die US-Zölle treffen uns natürlich wie andere exportierende Unternehmen stark. Ricola ist aber ein kerngesundes Unternehmen und insgesamt gut aufgestellt und wird weiterhin am Standort Laufen festhalten. Wir haben vielversprechende Innovationen in der Pipeline und eine starke Marke, die überall auf der Welt das Ansehen unserer Konsumentinnen und Konsumenten geniesst.
Umgehend nach der Ankündigung der neuen Zölle haben wir uns dieser Herausforderung gestellt und eine interne Taskforce ins Leben gerufen. Diese Taskforce beobachtet die Entwicklung genau und arbeitet intensiv daran, geeignete Massnahmen zu entwickeln. Wir sehen beispielsweise leichte Preiserhöhungen um 10 Prozent ab Dezember dieses Jahres für den US-amerikanischen Markt vor und arbeiten daran, unsere Kosten – beispielsweise bei der Beschaffung von Verpackungsmaterial – zu reduzieren. Wir sind nun sehr erleichtert, dass die Gespräche von Schweizer Wirtschaftsvertretern und unserer Regierung zu einer deutlichen Reduktion der US-Zölle geführt haben. Dieser wichtige Schritt gibt uns die nötige Planungssicherheit im US-Markt.
Welche Auslandsmärkte stehen für Sie jetzt besonders im Fokus?
Asien ist ein sehr wichtiger und rasant wachsender Markt für Ricola. Aber auch in Europa haben wir noch viel Potenzial.
Auf ihrem Weg zur Nachhaltigkeit hat Ricola nach eigener Aussage einen wichtigen Meilenstein erreicht und ist inzwischen eine zertifizierte «B Corporation». Was verbirgt sich hinter diesem Label?
Ende 2023 wurde Ricola als B Corporation zertifiziert. Darauf sind wir stolz, denn es ist eine Bestätigung unseres langjährigen Engagements für einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, unserer Umwelt und unserem sozialen Umfeld. Als B Corporation sind wir verpflichtet sicherzustellen, dass unsere Aktivitäten nachhaltig gestaltet sind, dass wir Schwachstellen konsequent beseitigen und zugleich neue Herausforderungen angehen. Ein kontinuierliches Herantasten, Abwägen und stetige Verbesserungen sind gefragt. Die Zertifizierung als B Corporation war allerdings erst der Anfang: Alle drei Jahre wiederholen wir das B Impact Assessment und stellen so sicher, dass wir nicht stehen bleiben, sondern uns kontinuierlich weiterentwickeln.
Worin liegen für Sie die grössten Herausforderungen in den kommenden Jahren?
Ricola steht wie alle Lebensmittelhersteller vor Herausforderungen durch strengere Nachhaltigkeitsregeln, volatile geopolitische Entwicklungen und veränderte Konsumgewohnheiten. Gleichzeitig bieten genau diese Trends Chancen für uns: Im Bereich Nachhaltigkeit haben wir heute schon einen grossen Vorsprung, und als traditionsreiche, glaubwürdige Marke mit Fokus auf Natur und Gesundheit sowie natürlichen, pflanzlichen Premiumprodukten liegen wir im Trend.
Es heisst häufig in Wirtschaftskreisen, die Politik in der Schweiz und in der EU übertreibe es mit ihren detaillierten Nachhaltigkeitsregularien für Unternehmen. Sehen Sie das auch so?
Wir verdanken der Natur alles und sind deshalb der Ansicht, dass wir auch alles unternehmen müssen, um sie zu erhalten. Mit einer ganzheitlichen und systematischen Herangehensweise können wir dazu beitragen, die Natur auch für die Zukunft zu erhalten. Regeln und Labels sind dabei grundsätzlich wichtig, weil sie einen verlässlichen Rahmen vorgeben. Auf der anderen Seite ist auch Augenmass nötig, und die Politik muss realistische Ziele verfolgen und vernünftige Rahmenbedingungen für die Wirtschaft setzen. Es gibt zunehmend Regeln in der Schweiz und der EU, welche einen unsagbaren administrativen Aufwand zur Folge haben und über deren effektiven Nutzen man sich zum Teil streiten kann.