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Ricola-CEO Thomas P. Meier: «Ein gutes Gleichgewicht mit den Ökosystemen, in die wir eingebunden sind, ist für uns ein Schlüsselfaktor.» Foto: Ricola
Ricola-CEO Thomas P. Meier: «Ein gutes Gleichgewicht mit den Ökosystemen, in die wir eingebunden sind, ist für uns ein Schlüsselfaktor.» Foto: Ricola

Ricola-CEO Thomas P. Meier: «Ein gutes Gleichgewicht mit den Ökosystemen, in die wir eingebunden sind, ist für uns ein Schlüsselfaktor.» Foto: Ricola

Wirtschaft

«Wir verdanken der Natur alles»

Als Hersteller von Kräuterbonbons, Pastillen und Tees hat sich Ricola aktiv für eine nachhaltige Zukunft positioniert. CEO Thomas P. Meier erläutert, warum Nachhaltigkeit für sein Unternehmen mehr ist als ein Etikett und weshalb Ricola stolz ist auf die Zertifizierung als «B Corporation».

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«Wir verdanken der Natur alles»

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Herr Meier, wie viele andere Unternehmen betont auch Ricola, Nachhaltigkeit gehöre zu ihrer DNA. Wie ernst ist das gemeint?

Thomas P. Meier: Ricola verdankt der Natur alles, darum setzen wir bereits seit unserer Gründung im Jahr 1930 konsequent auf Nachhaltigkeit. Echte Nachhaltigkeit kann nur durch eine ganzheitliche und systematische Herangehensweise erreicht werden, die sowohl ökologische, ökonomische als auch soziale Aspekte berücksichtigt. Wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen, meinen wir aber neben ökologischen auch soziale und ökonomische Aspekte. So sind uns beispielsweise zufriedene und motivierte Mitarbeitende, eine offene und wertschätzende Unternehmenskultur und vertrauensvolle Beziehungen mit unseren Lieferanten wichtig.

Auch die aktive Unterstützung sozialer Initiativen und von Kunst sind fester Bestandteil unseres Selbstverständnisses. Als Familienunternehmen denken wir in Generationen. Unser Handeln ist daher geprägt von einer wirtschaftlich nachhaltigen Unternehmensführung, die nicht auf kurzfristige Gewinne setzt, sondern auf langfristige Stabilität, Verlässlichkeit und Beständigkeit. So schaffen wir ein solides Fundament für eine erfolgreiche Zukunft – für unsere Mitarbeitenden, unsere Partner, die Gesellschaft und die Natur.

«Ricola ist kerngesund und gut aufgestellt. Wir haben vielversprechende Innovationen in der Pipeline.»

Thomas P. Meier

CEO Ricola

Verfügen Sie über eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie?

Eine verschriftlichte Nachhaltigkeitsstrategie gibt es seit dem Jahr 2022. Tatsächlich stellen wir aber schon seit der Gründung unseres Unternehmens ökologische, ökonomische und soziale Aspekte ins Zentrum unseres Handelns. Seit dem Jahr 2020 ist zudem die erwähnte Nachhaltigkeitsstrategie Teil unserer Geschäftsstrategie. Dabei fokussieren wir sechs verschiedene Handlungsfelder: Landwirtschaft, Abfall, Verpackung, Klima, Wasser, Beschaffung. Für diese haben wir klare, messbare Ziele definiert und setzen entsprechende Massnahmen um, um diese Ziele zu erreichen. Ich gehe gerne auf zwei Beispiele ein:

  • Bis im Jahr 2030 werden 80 Prozent unserer Rohstoffe gemäss unseren landwirtschaftlichen Grundsätzen angebaut. Diese ermöglichen gesunde Böden und fördern die Biodiversität. Schon heute werden die in unseren Bonbons verwendeten Alpenkräuter gemäss den Richtlinien von Bio Suisse von rund 100 Schweizer Vertragsbäuerinnen und -bauern angebaut. Ausserdem unterstützen wir den nachhaltigen Anbau von Zuckerrüben gemäss den Grundsätzen von IP Suisse.
  • Besondere Bedeutung lassen wir auch dem Thema Energie zukommen. So setzen wir beispielsweise in der Produktion ausschliesslich auf erneuerbare Energiequellen. Unser Ziel ist es, bis 2030 unsere indirekten CO₂-Emissionen pro verdientem Franken um rund die Hälfte zu senken. Das heisst: Für die gleiche wirtschaftliche Leistung soll deutlich weniger CO₂ entstehen.

Ist der Nachhaltigkeitsgedanke auch ein zentraler Aspekt Ihres Business Development – wenn es um das Erschliessen neuer Geschäftsfelder und Märkte geht?

Nachhaltigkeit spielt bei all unseren Tätigkeiten eine zentrale Rolle und beschränkt sich nicht nur auf die Qualität der Rohstoffe und deren Verarbeitung. Wir haben generell sehr hohe Standards, die unserer Geschäftsführung zugrunde liegen. Diese definieren unser Verhalten in sozialer, ökologischer und ethischer Hinsicht. Beispielsweise erwarten wir von allen unseren Lieferanten und Geschäftspartnern, dass sie diese Standards ebenfalls einhalten. Konkret bedeutet dies, dass sie sich dazu verpflichten, effiziente Managementsysteme, Richtlinien, Verfahren und Schulungen zu nutzen, um die im Verhaltenskodex festgelegten Standards und Erwartungen einzuhalten. Entsprechend diesen Standards wählen wir auch allfällige neue Geschäftsfelder und Märkte aus.

Foto: Ricola

Alle Kräuter der bekannten Ricola-Mischung werden in der Schweiz angebaut.

Ricola produziert neun Milliarden Kräuterbonbons im Jahr. Mit Abstand der grösste Abnehmer sind die USA. Ist diese starke Marktposition für Ricola angesichts der deutlich gestiegenen US-Importzölle unter Präsident Trump zum Problem geworden?

Die US-Zölle treffen uns natürlich wie andere exportierende Unternehmen stark. Ricola ist aber ein kerngesundes Unternehmen und insgesamt gut aufgestellt und wird weiterhin am Standort Laufen festhalten. Wir haben vielversprechende Innovationen in der Pipeline und eine starke Marke, die überall auf der Welt das Ansehen unserer Konsumentinnen und Konsumenten geniesst.

Umgehend nach der Ankündigung der neuen Zölle haben wir uns dieser Herausforderung gestellt und eine interne Taskforce ins Leben gerufen. Diese Taskforce beobachtet die Entwicklung genau und arbeitet intensiv daran, geeignete Massnahmen zu entwickeln. Wir sehen beispielsweise leichte Preiserhöhungen um 10 Prozent ab Dezember dieses Jahres für den US-amerikanischen Markt vor und arbeiten daran, unsere Kosten – beispielsweise bei der Beschaffung von Verpackungsmaterial – zu reduzieren. Wir sind nun sehr erleichtert, dass die Gespräche von Schweizer Wirtschaftsvertretern und unserer Regierung zu einer deutlichen Reduktion der US-Zölle geführt haben. Dieser wichtige Schritt gibt uns die nötige Planungssicherheit im US-Markt.

Welche Auslandsmärkte stehen für Sie jetzt besonders im Fokus?

Asien ist ein sehr wichtiger und rasant wachsender Markt für Ricola. Aber auch in Europa haben wir noch viel Potenzial.

Auf ihrem Weg zur Nachhaltigkeit hat Ricola nach eigener Aussage einen wichtigen Meilenstein erreicht und ist inzwischen eine zertifizierte «B Corporation». Was verbirgt sich hinter diesem Label?

Ende 2023 wurde Ricola als B Corporation zertifiziert. Darauf sind wir stolz, denn es ist eine Bestätigung unseres langjährigen Engagements für einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, unserer Umwelt und unserem sozialen Umfeld. Als B Corporation sind wir verpflichtet sicherzustellen, dass unsere Aktivitäten nachhaltig gestaltet sind, dass wir Schwachstellen konsequent beseitigen und zugleich neue Herausforderungen angehen. Ein kontinuierliches Herantasten, Abwägen und stetige Verbesserungen sind gefragt. Die Zertifizierung als B Corporation war allerdings erst der Anfang: Alle drei Jahre wiederholen wir das B Impact Assessment und stellen so sicher, dass wir nicht stehen bleiben, sondern uns kontinuierlich weiterentwickeln.

Worin liegen für Sie die grössten Herausforderungen in den kommenden Jahren?

Ricola steht wie alle Lebensmittelhersteller vor Herausforderungen durch strengere Nachhaltigkeitsregeln, volatile geopolitische Entwicklungen und veränderte Konsumgewohnheiten. Gleichzeitig bieten genau diese Trends Chancen für uns: Im Bereich Nachhaltigkeit haben wir heute schon einen grossen Vorsprung, und als traditionsreiche, glaubwürdige Marke mit Fokus auf Natur und Gesundheit sowie natürlichen, pflanzlichen Premiumprodukten liegen wir im Trend.

Es heisst häufig in Wirtschaftskreisen, die Politik in der Schweiz und in der EU übertreibe es mit ihren detaillierten Nachhaltigkeitsregularien für Unternehmen. Sehen Sie das auch so?

Wir verdanken der Natur alles und sind deshalb der Ansicht, dass wir auch alles unternehmen müssen, um sie zu erhalten. Mit einer ganzheitlichen und systematischen Herangehensweise können wir dazu beitragen, die Natur auch für die Zukunft zu erhalten. Regeln und Labels sind dabei grundsätzlich wichtig, weil sie einen verlässlichen Rahmen vorgeben. Auf der anderen Seite ist auch Augenmass nötig, und die Politik muss realistische Ziele verfolgen und vernünftige Rahmenbedingungen für die Wirtschaft setzen. Es gibt zunehmend Regeln in der Schweiz und der EU, welche einen unsagbaren administrativen Aufwand zur Folge haben und über deren effektiven Nutzen man sich zum Teil streiten kann.

Deklaration: Dieser Inhalt wurde vom Sustainable Switzerland Editorial Team erstellt.

Dieser Artikel behandelt folgende SDGs

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, vereinbart von den UN-Mitgliedsstaaten in der Agenda 2030. Sie decken Themen wie Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser, erneuerbare Energie, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Klimaschutz und den Schutz der Ozeane und der Biodiversität ab.

12 - Verantwortungvoller Konsum und Produktion
15 - Leben an Land

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