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Durch die Kälte bilden sich Eisschollen auf der Elbe – hier die Elbfähre Tanja, die am 15. Januar 2026 den Fluss querte.
Durch die Kälte bilden sich Eisschollen auf der Elbe – hier die Elbfähre Tanja, die am 15. Januar 2026 den Fluss querte.

Durch die Kälte bilden sich Eisschollen auf der Elbe – hier die Elbfähre Tanja, die am 15. Januar 2026 den Fluss querte. Philipp Schulze / Keystone / DPA

Klima & Energie

Wetter der Kontraste in Europa: Die Kälte in der Ukraine und die Regengüsse in Südeuropa hängen zusammen

Auf Elbe und Oder schwimmen Eisschollen. Die Ursache für die anhaltend tiefen Temperaturen in Mitteleuropa ist ein spezielles Muster von Hoch- und Tiefdruckgebieten. Die Kälte hat ökonomische und militärische Folgen.

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Wetter der Kontraste in Europa: Die Kälte in der Ukraine und die Regengüsse in Südeuropa hängen zusammen

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Wegen der tiefen Temperaturen waren auf der Elbe in Hamburg in den vergangenen Tagen dicke Eisschollen zu sehen. Eisbrecher hielten die Fahrrinne frei. Auch auf vielen Seen in der Schweiz bildete sich Eis. Eine so hartnäckige winterliche Wetterlage hat Mitteleuropa schon länger nicht mehr erlebt.

Die Ursache für das frostige Wetter ist der hohe Luftdruck über dem Nordosten des Kontinents. Dieser blockiert die Tiefdruckgebiete, die vom Atlantik Richtung Europa ziehen. Sie werden abgebremst und lösen sich auf oder werden nach Süden abgedrängt. Auch deswegen toben in diesem Monat vermehrt Unwetter im Mittelmeerraum, während es weiter nördlich trocken bleibt.

Anfang der Woche erlebte der Osten Siziliens Sturmböen, meterhohe Wellen und heftige Regenfälle, auf dem Ätna fiel Schnee. Starke Regengüsse gab es zudem in anderen Teilen Süditaliens sowie in Südfrankreich. Begünstigt wurden die heftigen Niederschläge nicht nur durch ein Tiefdruckgebiet, sondern auch durch die vergleichsweise hohen Wassertemperaturen im Mittelmeer. Je wärmer das Wasser, desto mehr kann verdunsten und später wieder abregnen.

Russland nutzt die Kälte in der Ukraine aus

In Mittel- und Osteuropa blieb es hingegen sehr trocken und eisig. Denn bei hohem Luftdruck über Nordosteuropa kann kontinentale Kaltluft immer wieder westwärts nach Europa vordringen. Das ist zwar auch in Deutschland oder in der Schweiz zu spüren, aber viel stärker sind nordische und osteuropäische Länder betroffen, zum Beispiel die Ukraine. Dort lagen die Temperaturen in den vergangenen Tagen oft unter minus zehn Grad Celsius, teilweise unter minus fünfzehn Grad.

Die anhaltende Kälte ist einer der Gründe, weshalb Russland seine Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine intensiviert hat. Gerade in diesen eisigen Tagen sind die Menschen besonders stark auf funktionierende Heizungen und elektrischen Strom angewiesen. Mit Drohnen und Raketen unterbrach Russland die Versorgung aber immer wieder.

Anatolii Stepanov / Reuters

Russische Raketen- und Drohnenangriffe trafen am 17. Januar 2026 die Stromversorgung der ukrainischen Stadt Borodjanka. Mitarbeiter einer Nichtregierungsorganisation kochten darum für Anwohner.

Während in Mittel- und Osteuropa die Kälte bleibt, sind nun auch für Nordamerika tiefe Temperaturen vorhergesagt. Ende der Woche erfasst eine Kältewelle weite Teile der USA. Im Norden des Landes werden die Temperaturen stellenweise weit unter minus 20 Grad Celsius sinken. Mehr als 150 Millionen Menschen werden von dem Wettersturz betroffen sein. Nach den Vorhersagen könnte es sogar in sehr südlich gelegenen Gliedstaaten Schnee und Eis geben.

Dieser Kältevorstoss hängt mit der Stratosphäre zusammen, einer sehr trockenen Luftschicht zwischen 10 und 50 Kilometer Höhe. Im Winter bildet sich in der Stratosphäre über der Arktis regelmässig ein riesiger Luftwirbel. Doch manchmal wird dieser Wirbel verformt, und eine solche Verformung kann Kaltlufteinbrüche begünstigen, die weit nach Süden reichen. Genau das ist derzeit in den USA der Fall.

Der Kaltlufteinbruch in Nordamerika dürfte laut Meteo Schweiz mittelfristig das Wetter in Europa beeinflussen. Denn dadurch wird der Westwind über dem Atlantik aufleben – und das soll in Westeuropa zu einer vorübergehenden leichten Milderung führen. Inwiefern die milde Luft in der Schweiz und in Deutschland ankommen könnte, ist noch unklar. Laut dem Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage in England soll sich im Februar die vergleichsweise kalte Witterung in Mitteleuropa fortsetzen.

Wegen der Kälte auf mehreren Kontinenten steigt der Gaspreis

Ein spezielles Merkmal der gegenwärtigen Wetterlage besteht darin, dass auf mehreren Kontinenten gleichzeitig Kälte herrscht. So liegen auch im Norden Asiens die Temperaturen vergleichsweise tief. Darum ist laut der Nachrichtenagentur Bloomberg in mehreren Regionen der Preis für Erdgas gestiegen.

Ungewöhnlich mild ist es derweil in der Arktis. Das Dänische Meteorologische Institut meldete für Anfang Jahr jenseits des 80. Breitengrads Temperaturen, die zwischen fünf und zwölf Grad Celsius über dem klimatologischen Mittelwert lagen. Davon können die Menschen in der Ukraine derzeit nur träumen.

Sven Titz, «Neue Zürcher Zeitung» (22.01.2026)

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Dieser Artikel behandelt folgende SDGs

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, vereinbart von den UN-Mitgliedsstaaten in der Agenda 2030. Sie decken Themen wie Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser, erneuerbare Energie, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Klimaschutz und den Schutz der Ozeane und der Biodiversität ab.

7 - Bezahlbare und saubere Energie
11 - Nachhaltige Städte und Gemeinde
13 - Massnahmen zum Klimaschutz

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