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Porträtbild von Adrian Siegrist, Chief Commercial Officer bei Climeworks
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Adrian Siegrist von Climeworks sieht Unternehmen bei CO₂-Entnahmen vor einem Strategiewechsel. Bild: PD

Klima & Energie

«Der Markt wird strukturierter und reifer werden»

Das Schweizer Unternehmen Climeworks kombiniert technologische Ansätze mit naturbasierten Lösungen, um hochwertige CO₂-Entnahmen zu liefern. Interview mit dem Chief Commercial Officer Adrian Siegrist.

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Climeworks ist für Direct Air Capture bekannt, bietet Kunden mit «Climeworks Solutions» aber weitere CO2-Entnahmelösungen an. Welche sind das?

Adrian Siegrist: Unsere Portfolios von verschiedenen Drittanbietern kombinieren oft naturbasierte Lösungen – etwa Wieder- oder Aufforstungsprojekte – mit technischen Ansätzen. Etwa Enhanced Rock Weathering, eine Methode zur aktiven CO₂-Entnahme aus der Atmosphäre. Fein gemahlenes Silikatgestein (zum Beispiel Basalt) wird auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht. Das Gesteinsmehl reagiert mit Regenwasser und CO₂, bindet den Kohlenstoff langfristig als Bikarbonat und verbessert zudem die Bodenqualität. Auch die sogenannte Bioenergy with Carbon Capture and Storage (BECCS) ist in unserem Angebot. Dabei wird Energie aus Biomasse erzeugt, wobei das dabei entstehende CO2 während des Prozesses gleichzeitig abgeschieden, solidifiziert und unterirdisch gespeichert wird.

Weshalb braucht es zusätzliche Lösungen?

Unternehmen haben uns klar signalisiert, dass sie nach Einfachheit suchen – und nach einer verlässlichen Umsetzung, hinter der sie stehen können. Unser Portfolio-Ansatz ermöglicht es ihnen, bereits heute hochwertige naturbasierte CO₂-Entnahme zu kaufen, während sie gleichzeitig den Übergang hin zu dauerhaft wirksamen, technischen Lösungen vorbereiten, auf die die Welt künftig in grösserem Massstab angewiesen sein wird. Heute sind wir der führende Anbieter von CO₂-Removal-Portfolios und geniessen das Vertrauen von mehr als 200 Unternehmenskunden sowie 20 000 Privatpersonen.

Warum benötigen Unternehmen eine Mischung aus naturbasierten und technischen CO₂-Entnahmelösungen?

Naturbasierte und technologische Carbon Removals verfügen jeweils über eigene Stärken und Einschränkungen. Naturbasierte Entnahmen, etwa Aufforstung, können bereits heute in grossem Massstab einen relevanten Klimabeitrag leisten. Sie bieten häufig zusätzliche Vorteile wie positive Auswirkungen auf die Biodiversität oder eine höhere Resilienz von Gemeinschaften. Technologische Entnahmen, bei denen CO₂ mithilfe von Technologien wie Direct Air Capture (DAC) oder BECCS entfernt wird, bieten hingegen eine hohe Dauerhaftigkeit und Messbarkeit. Sie sind entscheidend, um sogenannte unvermeidbare Emissionen zu adressieren. Unser Portfolio-Ansatz ist ein pragmatischer Weg, diese Stärken zu kombinieren. Er erlaubt es Unternehmen, den Anteil dauerhafter, permanenter Carbon Removals schrittweise zu erhöhen – parallel zur wachsenden Verfügbarkeit und zu sinkenden Kosten. Er schafft ein Gleichgewicht zwischen kurzfristigem Handeln und langfristiger Resilienz.

Mit der Orca-Anlage in Island steht Climeworks für jene technischen CO₂-Entnahmelösungen, die laut Adrian Siegrist langfristig an Bedeutung gewinnen sollen. Bild: PD

Qualität ist ein zentrales Thema in den Kohlenstoffmärkten. Wie bewerten Sie die Projekte, mit denen Sie zusammenarbeiten?

Climeworks analysiert mehrstufig und wissenschaftsbasiert sämtliche Aspekte eines Drittunternehmens. Unser erklärtes Ziel ist es, Carbon-Removal-Zertifikate zu sichern, die höchste wissenschaftliche Integrität mit einer verlässlichen Lieferung für unsere Partner verbinden. Qualität umfasst für uns eine robuste Klimawirkung, eine stringente wissenschaftliche Methodik, eine starke operative Umsetzung sowie ein hohes Mass an Sicherheit, dass die vereinbarten Zertifikate tatsächlich geliefert werden.

Wie wird sich der Markt für permanente CO₂-Entnahme nach Ihrer Einschätzung in den nächsten zwei bis drei Jahren entwickeln?

Ich erwarte drei zentrale Entwicklungen. Erstens wird der Markt strukturierter und reifer werden. Standards, Anforderungen an das Reporting und Verifizierungspraktiken entwickeln sich schnell weiter, was es erleichtern wird, hochwertige, permanente Carbon Removals klar von Angeboten mit geringerer Integrität zu unterscheiden. Zweitens werden Käufer strategischer agieren. Wir werden erkennen, dass mehr Unternehmen von einmaligen Käufen zu mehrjährigen Portfolio-Roadmaps übergehen – mit klareren Zielen in Bezug auf Dauerhaftigkeit und einer stärkeren Disziplin in der Beschaffung. Drittens wird das Angebot im Segment der höchsten Qualität, insbesondere bei wirklich permanenten Carbon Removals, weiterhin begrenzt bleiben – mit Folgen für Unternehmen.

Was müssen Unternehmen in Bezug auf CO₂-Capture deshalb jetzt wissen?

Fangen Sie an! Abwarten wird reale Kosten nach sich ziehen. Das Angebot an hochwertigen Carbon Removals wird mit wachsender Nachfrage voraussichtlich zunehmend knapp werden. Frühe Akteure sichern sich besseren Zugang und vermeiden es, später unter höherem Druck und mit weniger Optionen überstürzte Entscheidungen treffen zu müssen.

Dieser Artikel behandelt folgende SDGs

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, vereinbart von den UN-Mitgliedsstaaten in der Agenda 2030. Sie decken Themen wie Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser, erneuerbare Energie, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Klimaschutz und den Schutz der Ozeane und der Biodiversität ab.

9 - Industrie, Innovation und Infrastruktur
13 - Massnahmen zum Klimaschutz
15 - Leben an Land

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