Den CDR-Markt fördern
Zu den Lösungen, die Swisscom primär fördern will, gehören Verfahren, die CO₂ aktiv und dauerhaft aus der Atmosphäre entfernen und speichern. Man spricht von CDR-Technologien (Carbon Dioxide Removal), die entweder technische Ansätze oder naturbasierte Methoden wie Aufforstung oder Pyrolyse von Biomasse zu Pflanzenkohle umfassen. Sogenannte NETs, die Negativemissionstechnologien, sind eine Untergruppe der CDR-Verfahren. Mit ihrer Hilfe lassen sich in den entsprechenden Verfahren mehr Treibhausgase der Atmosphäre entziehen, als ausgestossen werden, weshalb von negativen Emissionen gesprochen wird. Der Weltklimarat hält solche Negativemissionstechnologien für unumgänglich, um die globale Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken. Allein die Schweiz wird nach Angaben des Bundes im Jahr 2050 noch zwölf Millionen Tonnen CO₂ durch NETs oder geeignete Zertifikate entfernen müssen, um im Stichjahr wirklich bei Netto-Null zu landen. Global dürften es sogar sieben Megatonnen sein, die es zu neutralisieren gilt. Diverse NET-Lösungen sind heute auch weitgehend bekannt – wie beispielsweise die Kohlendioxidabscheidung direkt aus der Luft mit anschliessender Speicherung des CO₂ im Boden (Direct Air Capture and Carbon Storage, kurz DACCS). Doch auf dem CDR-Markt insgesamt sind sie noch nicht ausreichend vertreten. Swisscom will einen Beitrag leisten, diese Lücke zu schliessen. «Wir unterstützen den Ausbau dieses Marktes, um nicht nur uns, sondern allen Unternehmen die benötigten Technologien in ausreichender Menge zugänglich zu machen», erläutert die Nachhaltigkeitschefin von Swisscom. Wie geht das Unternehmen konkret vor? Saskia Günther holt zunächst ein bisschen aus:«Nach wie vor hat die Reduktion unserer direkten und indirekten Emissionen erste Priorität.» In der Vergangenheit habe man zusätzlich zu den Reduktionen für sämtliche von Swisscom nicht reduzierbaren oder vermeidbaren CO₂-Emissionen in einem «Ton-for-ton»-Ansatz einen Klimabeitrag geleistet. Das heisst: Für jede verbleibende produktbezogene Tonne CO₂, die das Unternehmen ausgestossen und nicht reduziert hat, wurde auch eine Tonne CO₂ andernorts durch verifizierte Klimaschutzprojekte verhindert oder entfernt. Jetzt erweitert man das Spek- trum: Seit Ende 2025 investiert Swisscom Schweiz in einem «Money-for-ton»-Ansatz 120 Franken für jede direkt verursachte Tonne CO₂ ausserhalb der Wertschöpfungskette in Unternehmen, Forschungsprojekte und in den Naturschutz. «Wir nehmen unsere Verantwortung ernst. Mit BVCM fördern wir gezielt technologische Innovationen, die das CO₂ dauerhaft aus der Atmosphäre entfernen und einen Beitrag zur Entwicklung von Lösungen leisten, die der ganzen Wirtschaft helfen», erklärt Saskia Günther. «In Zukunft wollen wir ebenfalls Naturprojekte unterstützen, um einen weiteren Beitrag zum Erhalt der Biodiversität zu leisten.»
Ansatz mit drei Säulen
Konkret basiert der BVCM-Ansatz bei Swisscom auf drei Säulen: In der ersten Säule geht es um Equity-Investments in Unternehmen des CDR-Marktes, die innovative NETs entwickeln oder den Markt in der Breite fördern. Dazu gehören beispielsweise Plattformen, die den Verkauf hochwertiger CO₂-Entfernungszertifikate vereinfachen. So stärkt Swisscom die Angebotsseite. Ganz aktuelles Beispiel ist das Investment Ende letzten Jahres in die Plattform Ceezer. Sie erleichtert Unternehmen den eigenständigen Einkauf von vertrauenswürdigen und wirksamen CDR-Zertifikaten. Auch Swisscom selbst setzt bei der Entwicklung des eigenen CDR-Portfolios auf den anspruchsvollen Due-Diligence-Prozess und die hohe Transparenz, die Ceezer bietet. Damit wären wir bei der zweiten Säule, der Förderung der Nachfrage nach hochwertigen CDR-Lösungen durch eigene Käufe gemäss der SBTi-Vorgaben oder die Förderung von Käufen Dritter. Saskia Günther erklärt dazu: «Im nächsten Schritt wollen wir gemeinsam mit Ceezer auch unseren Geschäftskunden den Zugang zu diesem Markt ermöglichen.» Säule Nummer drei fokussiert auf Forschungs- und Naturprojekte, die bereits heute einen wirkungsvollen Beitrag zur Entwicklung des CDR-Markts leisten und zum Erhalt der Ökosysteme beitragen. Hier geht es zum Beispiel um den Schutz von Moorlandschaften. Und damit kommen wir wieder zu den beiden NET-Vorhaben CITru und PATH. Beim CITru-Projekt unter Leitung des Seismologen Professor Stefan Wiemer von der ETH Zürich wird geprüft, ob und wenn ja, wie CO₂ dauerhaft im Schweizer Untergrund gespeichert werden kann. Die Wissenschaftler wollen zudem erforschen, inwieweit eine solche Speicherung gesellschaftlich akzeptiert würde. Man muss sich diesen Feldversuch als eine gross angelegte Injektion vorstellen: Flüssiges CO₂ wird über ein stillgelegtes Bohrloch in Trüllikon (ZH) in tiefe Gesteinsschichten geführt. Swisscom unterstützt das Forschungsprojekt finanziell als wichtigen Beitrag zu den nationalen Klimazielen. Denn wenn auch nur ein Teil der national entfernten Mengen an CO₂ lokal in der Schweiz gespeichert werden könnte, kann der längere Weg in Länder wie Norwegen oder Island gespart werden, wo die Speicherung bereits heute praktiziert wird. Mit PATH lanciert die Empa in Zusammenarbeit mit der Eawag einen neuen Demonstrator, welcher zum Beispiel an der Empa entwickelte, CO₂-negative Strassenbeläge schneller zum Einsatz bringen soll: Dieser Asphalt verwendet abgeschiedenes CO₂ als Baumaterial. Das kohlebasierte Material ist gleichzeitig in der Lage, Schmutzstoffe aus Regenwasser zu filtern und gereinigtes Wasser in den Untergrund versickern zu lassen. Damit erfüllt dieser Baustoff gleich mehrere Funktionen, wie der Projektverantwortliche und Departementsleiter «Ingenieurwissenschaften» Professor Matthias Sulzer von der Empa erklärt: «Der Asphalt entlastet die Kanalisation, schützt die Umwelt und verbessert die Klimaresilienz der Städte.» Das Pilotprojekt soll nach erfolgreichem Abschluss erstmals im Kanton Zug umgesetzt werden. Swisscom engagiert sich hier nicht zuletzt, weil beim Netzausbau immer wieder Asphalt verbaut wird und innovative Lösungen gefragt sind. Auch mit diesem Investment zeigt Swisscom, wie unternehmerische Verantwortung und Innovation Hand in Hand gehen können, um schon heute die Klimaziele von morgen voranzutreiben.