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Waldbäume nehmen während des Wachstums viel CO₂ auf. Sie speichern den Kohlenstoff in der Biomasse. Foto: PD

Lebensräume

Auf dem Weg zur Netto-Null

Die Schweizerische Post strebt bis 2040 Netto-Null-CO₂-Emissionen an. Sie verfolgt dieses ehrgeizige Ziel mit Unterstützung hochkarätiger Experten. Zehn Prozent der Emissionen, die bis dahin nicht vermieden werden können, sollen der Atmosphäre aktiv entzogen werden – unter anderem durch nachhaltige Waldbewirtschaftung.

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Die Post gehört zu den grössten Arbeitgeberinnen und Wirtschaftsakteurinnen der Schweiz. Die vielfältigen Tätigkeitsbereiche und die Grösse des Unternehmens führen dazu, dass die Post hohe CO₂-Emissionen verursacht. Das soll sich nun rasch ändern. Denn als bundesnahes Grossunternehmen muss sie auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft eine Vorreiterrolle übernehmen – nicht mit Worten, sondern mit Taten.

Die Post hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Bis 2040 will sie über die gesamte Wertschöpfungskette eine Netto-Null-Bilanz aufweisen. Die hauseigenen CO₂-Emissionen will sie bereits bis 2030 um mindestens 42 Prozent reduzieren, verglichen mit 2021. Um dies zu erreichen, stellt sie ihre Fahrzeugflotte auf fossilfreie Antriebe um, und sie bezieht ihren Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Ausserdem wird der Gebäudepark der Post auf emissionsfreie Heizungen umgerüstet. Hinsichtlich der CO₂-Emissionen besonders bedeutend ist, dass die PostAuto-Flotte bis spätestens 2040 auf Elek-trobusse umgestellt wird.

Der Atmosphäre CO₂ entziehen

Mit all diesen und weiteren Anpassungen wird die Post ihren CO₂-Ausstoss bis 2040 um 90 Prozent reduzieren. Doch sie kann nicht auf alle Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette einen derart direkten Einfluss nehmen, sodass rund zehn Prozent Restemissionen verbleiben. Diese Restmenge lässt sich kurz- und mittelfristig nicht verringern. Deshalb hat sich die Post entschieden, sie zu neutralisieren: Sie will die entsprechende Menge Kohlendioxid der Atmosphäre entziehen. Gelingt dies, wird die Post bis 2040 ihr Netto-Null-Ziel erreichen.

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In mehreren Schritten will die Post ihr ambitioniertes Klimaziel erreichen.

Wissenschaftliche Unterstützung

Die Grundlagen für dieses ambitionierte Vorhaben sind bereits gelegt: 2022 gründete das Unternehmen die Post CDR AG. CDR steht für Carbon Dioxid Removal, «CO₂-Entfernung». Die Firma lotet Möglichkeiten und Projekte aus, wie CO₂ der Atmosphäre entzogen und langfristig gespeichert werden kann. «Wir tun dies nicht einfach, weil wir müssen», sagt Philipp Mäder, Geschäftsführer der Post CDR AG, «sondern weil wir davon überzeugt sind, dass es wichtig ist.»

Doch dieses Thema ist nicht nur wichtig, sondern auch hochkomplex. Deswegen hat sich die Post CDR AG wissenschaftliches Expertenwissen in Form eines Beirats aus hochkarätigen Fachleuten zur Unterstützung geholt. Eine solche Fachfrau ist Prof. Dr. Martine Rebetez, Klimaforscherin an der Universität Neuenburg und Senior Scientist an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Birmensdorf ZH. «An mir und dem gesamten Beirat ist es, die Post CDR AG dabei zu unterstützen, die richtigen Projekte auszuwählen, mit denen die hochgesteckten Ziele erreicht werden können», sagt sie. Dass die Post zuallererst vor der eigenen Emissionshaustüre kehrt, sei für die Bemühungen der Post CDR AG eine unabdingbare Basis. «Das Wichtigste im Kampf gegen den Klimawandel und für mich das Erfreulichste ist, dass die Post sich ernsthaft um die 90 Prozent der Emissionen kümmert, auf die sie direkten Einfluss hat», sagt sie.

«Mit der Nutzung von nachhaltig geerntetem Holz im Bau oder der Verarbeitung von Biokohle leistet die Post einen effektiven Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels.»

Mehr als nur Bäume

Geht es darum, der Atmosphäre CO₂ zu entziehen, gibt es keine universell wirksamen Patentlösungen, auf welche die Post CDR AG zurückgreifen könnte. Klar ist, dass Bäumen beim Kohlenstoffkreislauf eine wichtige Rolle zufällt. Ein einzelner grosser Baum kann über seine gesamte Lebensdauer der Atmosphäre bis zu 30 Tonnen CO₂ entziehen und speichern. Da scheint die Devise naheliegend: Aufforsten, was das Zeug hält!

So einfach sei dies leider nicht, werfen Fachleute ein. Im Zusammenhang mit dem Klimawandel müsse man das gesamte Ökosystem Wald betrachten und dürfe nicht bloss an den einzelnen Baum denken, heisst es. Zudem sei dieses Ökosystem mit dem Klimawandel zunehmend überfordert. Vergangene Klimaänderungen aus natürlichen Ursachen seien weit langsamer verlaufen, sodass Ökosysteme wie der Wald Zeit gehabt hätten, sich anzupassen. Das Dilemma: Der menschengemachte Klimawandel verläuft den Angaben zufolge um ein Vielfaches schneller, sodass schon heutige Wälder mit dem Klima nicht mehr im Gleichgewicht sind. Darum reiche die Zeit nicht mehr aus, heisst es, um das Ökosystem Wald sich selbst zu überlassen. Es müsse aktiv gemanagt werden, was eine «riesige Herausforderung» sei.

Statt alte Bäume einfach verrotten zu lassen – was zu einer Freisetzung des gespeicherten CO₂ führen würde –, müssen diese nach Expertenmeinung im richtigen Moment effizient und waldschonend geschlagen und der holzverarbeitenden Industrie zugeführt werden. Auf diese Weise könnten sie als Baumaterialien oder Möbelstücke noch Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte lang ihre Speicherfunktion beibehalten.

Suche nach dem idealen Wald

Um ihr Vorhaben, der Atmosphäre CO₂ zu entziehen, umsetzen zu können, hat die Post CDR AG unter anderem nach einem Wald gesucht, der als guter CO₂-Speicher und Lieferant für langlebige Holzprodukte dienen kann. Kriterien waren dabei nicht nur der Zustand des Walds, sondern auch die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen am Standort. Nicht zuletzt musste der Wald zum Kauf zur Verfügung stehen – etwas, das in der Schweiz kaum mehr der Fall ist. Die Post CDR AG entschied sich schliesslich für 2400 Hektar Wald, etwa die Fläche der Stadt Basel, im ostdeutschen Thüringen. Sie wird den Wald nachhaltig mit einem Fokus auf einen hohen Stammholzanteil bewirtschaften und eine sogenannte Kaskadennutzung einrichten, durch die geerntetes Holz mehrstufig über eine lange Zeit genutzt wird. Dies reduziert den Ressourcenverbrauch und sorgt dafür, dass das im Holz gebundene CO₂ dauerhaft gebunden bleibt.

Eine weitere natürliche Methode zur aktiven CO₂-Speicherung ist Pflanzenkohle (Biochar). Sie wird in der Schweiz aus schadstofffreiem heimischen Restholz hergestellt und hat vielfältige Einsatzmöglichkeiten: als Hilfsstoff für trockene oder Regulator für nasse Böden, als Einstreu, als Futtermittelzusatz oder zur Verbesserung der Bodenqualität. In Südamerika hat man damit positive Erfahrungen gemacht: Hier wird Pflanzenkohle von Bauern schon seit Jahrhunderten in die Böden eingebracht. Diese wurden auf diese Weise extrem fruchtbar.

Für den Kampf gegen den Klimawandel wichtiger ist jedoch, dass Pflanzenkohle als Langzeitspeicher für CO₂ dienen kann. Sie besteht zu einem Grossteil aus Kohlenstoff in einer Form, die nur sehr langsam abgebaut wird; das von der Ausgangspflanze aus der Luft «aufgefangene» CO₂ bleibt deshalb langfristig gespeichert. Auch hier engagiert sich die Post, indem sie langfristig CO₂-Zertifikate von ihrem Projektpartner First Climate erwirbt, der langjährige Erfahrung in diesem Bereich hat.

Zukunftsfähige Lösungen

«Das Engagement der Post, um auf Netto-Null zu kommen, geht über den sonst üblichen Einkauf von Zertifikaten mit unsicherem Nutzen hinaus», resümiert Prof. Dr. Armin Eberle, Leiter des Instituts für Nachhaltige Entwicklung an der ZHAW. Auch er gehört dem Beirat der Post CDR AG an. Eberle weiter: «Die negativen Emissionen beschafft sich die Post durch langfristige und messbare Wirkungen aus eigenen Investitionen. Mit der Nutzung von nachhaltig geerntetem Holz im Bau oder der Verarbeitung von Biokohle treibt sie zukunftsfähige CO₂-Neutralisationslösungen voran und leistet einen effektiven Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels.»

Natürliche CO₂-Speicher

Land-Ökosysteme sind eminent wichtige CO₂-Entsorger, welche die Natur sozusagen gratis zur Verfügung stellt. In diesen Ökosystemen ist nach Angaben von Experten rund 3,5-mal so viel CO₂ gespeichert, wie heute in der Luft vorhanden ist. Die grauen Emissionen mitgerechnet, werden in der Schweiz pro Kopf und Jahr etwa zehn Tonnen CO₂ freigesetzt. Land-Ökosysteme entsorgen drei Tonnen gleich wieder. Werden diese Ökosysteme geschädigt – ob durch den Klimawandel oder durch direkte menschliche Eingriffe –, geht also nicht nur Biodiversität verloren. Es besteht auch das Risiko, dass riesige Mengen CO₂ freigesetzt und künftige Speicherkapazitäten vernichtet werden.

Weitere Informationen

Deklaration: Dieser Inhalt wurde vom Sustainable Switzerland Editorial Team im Auftrag von der Schweizerischen Post erstellt.

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