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Lohntransparenz: So fördern Sie Engagement und Fairness

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Gesellschaft Wirtschaft Partner Inhalt: Lidl Schweiz

Lohntransparenz: So fördern Sie Engagement und Fairness

In der Schweiz herrscht eine Lohnungleichheit von 19 Prozent zwischen den Geschlechtern. Dass Frauen einfach zu wenig fordern, scheint ein Mythos zu sein. Viel eher liegt es an der Firmenkultur. Auf welche Faktoren kommt es also an?

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Lohntransparenz: So fördern Sie Engagement und Fairness

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Gleichstellung beginnt beim Verdienst. Wenn für gleiche Arbeit gleiches Gehalt ausbezahlt wird, haben Mann und Frau dieselben Möglichkeiten, wie sie dieses Geld einsetzen. Mussten in den 1960-er Jahren noch vor allem Männer finanziell für das Familienwohl aufkommen, sind heute fast so viele Frauen wie Männer hierzulande berufstätig. Damals etablierte sich das Arbeitsmodell der 42-Stunden Woche mit dem Gedanken, dass Männer arbeiten, während Frauen zu Hause bleiben und sich um Haushalt und Kinder kümmern. Obwohl das inzwischen gesellschaftlich weit überholt ist, liegt womöglich hier der Grund, weshalb die Arbeitswelt eher auf männliche statt auf weibliche Bedürfnisse zugeschnitten ist. Ob bei Lohndifferenzen oder Kaderstellungen: Laut Global Gender Gap 2022 dauert es auch in der Schweiz noch beinahe 100 Jahre, bis wir Chancengleichheit erreichen werden.

Höhere Zufriedenheit gleich mehr Erfolg?

Das muss aber nicht sein. Unternehmen entscheiden selber, wie sie ihre Mitarbeitende behandeln und die Firmenstruktur aufbauen. Zum Beispiel Lidl Schweiz: Trotz 17.7 Prozent Lohnunterschied im Detailhandel liegt der Differenzwert bei dem Discounter unter einem Prozent – bei mehr als 4’500 Mitarbeitenden und 165 Filialen ein beträchtlicher Wert. Janine Hohengasser, Abteilungsleiterin Human Resources des Grossunternehmens, sagt dazu: «Bei uns gilt: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Denn als zukunftsorientierter, moderner Arbeitgeber setzen wir uns Tag für Tag für die Gleichstellung von Mann und Frau ein». Das Ergebnis spricht für sich: Über 80 Prozent der Belegschaft sehen Lidl Schweiz als sehr guten Arbeitgeber. Wohl deswegen gewann das Unternehmen im letzten Jahr die renommierte Auszeichnung «Great Place to Work». Darüber freut sich Hohengasser besonders: «Dass unsere Mitarbeitende so zufrieden in den Bereichen Glaubwürdigkeit, Respekt, Fairness und Führungsqualität sind, bedeutet, dass wir die vereinbarten Werte auch tatsächlich leben». Daraus resultierten eine hohe Innovationskraft und ein starker Teamgeist.

Doch was macht eigentlich diese Zufriedenheit im Speziellen aus? In einer Metastudie von Google namens «Aristoteles» forschte Julia Rozovksy, Manager People Analytics bei dem IT-Riesen, mehrere Jahre an der Wirksamkeit von Arbeitsteams. Dabei wurden Persönlichkeitsfaktoren wie Bildung, Hobbys und biografische Hintergründe untersucht – doch all das spielte keine zentrale Rolle, wie sich herausstellte. Was die erfolgreichsten der 180 Teams auszeichnete, war vielmehr psychologische Sicherheit. Die Gruppen, die sich trauten, Fehler zu machen und diese anzusprechen, oder genügend Raum für Kreativität zur Verfügung hatten, waren am innovativsten und wettbewerbfähigsten. Wer sich vor Kritik fürchtet, unter Mikromanagement leidet oder seine Aufgaben ständig unter Stress erledigen muss, kann weniger gut Vertrauen fassen und ist daher auch nicht so engagiert bei der Sache.

Das kann Hohengasser bestätigen. «Nach dem Motto «Menschen machen Lidl» setzen wir uns für unsere Angestellten ein und sehen zufriedene Mitarbeitende als Grundlage unseres Erfolgs. Deswegen wollen wir ihnen optimale Voraussetzungen bieten, damit sie sich am Arbeitsplatz wohlfühlen und ihr Potenzial entfalten können.»

Lohntransparenz fördert Sicherheit

Dazu gehören auch transparente Systeme. Lidl Schweiz beispielsweise garantiert Mindestlöhne von 4'360 Franken, plus 13. Monatslohn. Zudem gibt es nur unbefristete Arbeitsverträge – und auch in die Pensionskasse wird fleissig einbezahlt. Jeder Lohnfranken ist BVG-versichert, wobei der Koordinationsabzug entfällt. So wird sichergestellt, dass auch Mitarbeitende in einem Teilzeitpensum über eine gute Vorsorge verfügen. «Bei 70 Prozent weiblicher Belegschaft haben wir viele Mitarbeitende, die nicht 100 Prozent arbeiten. Da die Teilzeit-Möglichkeit vielen Eltern entgegenkommt, wollen wir so die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern», erklärt Hohengasser. Wohl auch deshalb spendiert Lidl Schweiz seinen Mitarbeitenden vier Wochen Mutter- oder zwei Wochen Vaterschaftsurlaub extra. Und das bei 100 Prozent Lohnfortzahlung.

Doch faire Behandlung gilt es nicht nur zwischen Männer und Frauen zu etablieren, sondern auch zwischen älteren und jüngeren Mitarbeitenden oder Ausländern und Schweizern. Hierfür wurde der Detailhändler das dritte Mal in Folge mit «Good Practice in Fair Compensation» von der Schweizerischen Vereinigung für Qualitäts- und Management-Systeme (SQS) zertifiziert. Die Auszeichnung erhalten Unternehmen, die ihr Lohnsystem nach anerkannten Kriterien überprüfen und bescheinigen lassen. Mit der Zertifizierung will Lidl Schweiz ein Zeichen für Lohngerechtigkeit setzen.

Stefan Andexer, Chief Human Resources Officer bei Lidl Schweiz, sagt dazu: «Es gibt für uns keinen Grund, weshalb gleiche Arbeit nicht gleich entlohnt werden soll. Wir sehen uns mit dieser Auszeichnung in unserem Engagement bestätigt und möchten damit auch über die Branche hinaus ein Zeichen für die Gleichstellung der Geschlechter setzen». Denn oft liegt der Grund für ungerechte Löhnen darin, dass Unternehmen keinen Überblick haben oder ihre Salärsysteme veraltet sind. In solchen Fällen lohnt sich eine Lohngleichheitsanalyse.

Win-Win-Win durch Empowerment

Fragt sich, welche weiteren Faktoren neben dem Finanziellen noch zum Arbeitsglück beitragen? Motivationsforscherin Christina Guthier nennt hier Selbstwirksamkeit, Empathie und Erholung. Umsetzen lässt sich dies mit konkreten Massnahmen, wie sie vom Betrieblichen Gesundheitsmanagement vorgeschlagen werden. Dazu gehören unter anderem eine wertschätzende Führungskultur, ergonomische Arbeitsplätze, Sensibilisierung gegenüber Stress, Gesundheitsschutz oder etwa die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben. So lassen sich die Ressourcen von Mitarbeitenden stärken und die psychische Belastung am Arbeitsalltag reduzieren. Auch das setzt Lidl Schweiz so vorbildlich um, dass sie von der Gesundheitsförderung Schweiz mit dem Label «Friendly Work Space» ausgezeichnet wurden. Andexer führt aus, welche Massnahmen konkret angeboten werden: «Gezielte Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten ermöglichen persönliches Wachstum. Eine gesundheitsförderliche Infrastruktur und vor allem faire Arbeitsbedingungen tragen zur Mitarbeiterzufriedenheit bei. Und mit der Übernahme unserer ökologischen Verantwortung können Mitarbeitende mit voller Überzeugung hinter uns stehen».

Es seien meist die kleinen Dinge, die den Unterschied machen, etwa ob statt 42 Stunden nur 41 Stunden in der Woche gearbeitet werden muss – immerhin mache das aufs Jahr mehr als 7 Tage aus. Andexer erstaunt dabei, wie positiv sich alle Massnahmen auswirken: «Unsere Kundinnen und Kunden erhalten ein besseres Einkaufserlebnis, wenn Mitarbeitende freundlich und motiviert sind. Eine positive Arbeitsatmosphäre ist ein absolutes Win-Win-Win Investment».

«Unsere Kundinnen und Kunden erhalten ein besseres Einkaufserlebnis, wenn Mitarbeitende freundlich und motiviert sind.» Stefan Andexer, Chief Human Resources Officer bei Lidl Schweiz

Foto: PD

Janine Hohengasser und Stefan Andexer

Weisse Liste gegen Lohndiskriminierung

Das seit 1996 gültige Gleichstellungsgesetzt wurde am 1. Juli 2020 revidiert. Nun sind Arbeitgebende ab 100 Mitarbeitenden dazu verpflichtet, innerhalb eines Jahres eine Lohngleichheitsanalyse durchzuführen und diese von einer unabhängigen Stelle überprüfen zu lassen. Spätestens bis am 30. Juni 2023 müssen dann die Mitarbeitenden sowie Aktionärinnen und Aktionäre über das Ergebnis informieren werden. Dabei muss die Lohngleichheitsanalyse nach einer wissenschaftlichen und rechtskonformen Methode durchgeführt werden. Der Bund stellt dafür ein kostenloses Standard-Analyse-Tool (Logib) zur Verfügung.

Das Ziel ist es, den verfassungsrechtlichen Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit durchzusetzen. Auf respect8-3.ch sieht man, welche Unternehmen, unter anderem Lidl Schweiz, jetzt schon auf der weissen Liste sind.

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