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Porträtbild von Vincent Vida
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Vincent Vida, Gründer und CEO des Food-Upcycling-Startups Upgrain. Bild: PD

Sustainable Shapers Vision & Innovation

Vincent Vida: der Upcyling-Pionier aus Appenzell

Mit seiner Firma Upgrain hat Vincent Vida ein Verfahren entwickelt, mit dem Biertreber in nährstoffreiche Zutaten verwandelt wird – eine innovative Lösung für ein verbreitetes Abfallprodukt der Industrie. Mit Europas grösster Upcycling-Anlage spart Upgrain zusätzlich jährlich Tausende Tonnen CO₂ ein.

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Vincent Vida: der Upcyling-Pionier aus Appenzell

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Vor einigen Jahren besichtigte Vincent Vida, damals noch Student an der Universität St. Gallen (HSG), eine Brauerei und war erstaunt, wie viel «Abfall» bei der Bierproduktion entsteht. Er erkannte, dass die vermeintlich unnützen Überreste zahlreiche Nährstoffe enthielten – zu wertvoll, um sie einfach zu entsorgen.

Der Brauereibesuch gab Vida den Anstoss, 2021 ein Unternehmen namens Upgrain zu gründen. Das Startup hat es sich zur Aufgabe gemacht, den sogenannten Biertreber – ein Nebenprodukt des Brauvorgangs – in hochwertige Eiweisse und Ballaststoffe umzuwandeln. Oder, wie es der Gründer und CEO formuliert: «Wir retten Gerstenkörner aus dem Brauprozess, um protein- und ballaststoffreiche Zutaten für eine Vielzahl von Anwendungen in der Lebensmittelindustrie herzustellen». Konkret geht es zum Beispiel um Backwaren, Fleischersatzprodukte oder Snacks.

Nach intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeit eröffnete Upgrain gemeinsam mit der Brauerei Locher AG im September 2024 Europas grösste Food-Upcycling-Anlage in Appenzell. Diese verarbeitet jährlich rund 25 000 Tonnen Biertreber zu Rohstoffen für die Nahrungsmittelbranche. Und spart dabei zugleich Tausende Tonnen CO2. «Mit unserer innovativen Technologie produzieren wir 90 Prozent umweltfreundlicher als herkömmliche Alternativen wie Soja- oder Erbsenprotein», sagt Vida. Der Schritt von einer Pilotanlage hin zu einer XXL-Produktion erfülle ihn mit Stolz. «Wir haben eine vollautomatisierte Anlage realisiert, die täglich über 100 000 Menschen ernähren kann. Damit zeigen wir, dass nachhaltige Innovation nicht nur eine Vision bleibt, sondern im industriellen Massstab Wirklichkeit werden kann.»

Vincent Vida präsentiert die Food-Upcycling-Anlage in Appenzell. Bild: PD

Gab es eine Erfahrung, das ihn besonders geprägt hat – und die er auch an andere weitergeben würde? «Mit dem Blick auf die letzten fünf Jahre habe ich gelernt, dass sich Zeiten und Märkte sehr schnell verändern können», sagt Vida. Die Lebensmittelbranche gelte zwar oft als beständig, doch gerade in den letzten Jahren habe Nachhaltigkeit deutlich Gegenwind erfahren. «Für uns war das eine wichtige Erkenntnis: Nachhaltigkeit allein ist kein Alleinstellungsmerkmal, sondern eine Grundvoraussetzung, die wirtschaftlich tragfähig umgesetzt werden muss.» Nachhaltige, lokale und transparente Produkte seien nur dann langfristig erfolgreich, wenn sie zu gleichen Kosten wie konventionelle Alternativen hergestellt werden könnten.

Was die Zukunft angeht, möchte Vincent Vida seine Technologie an verschiedenen Brauereistandorten auf mehreren Kontinenten etablieren. Ziel ist es, ein dezentrales, nachhaltiges Lebensmittel-Upcycling zu ermöglichen, das direkt vor Ort Proteine und Ballaststoffe aus Biertreber gewinnt und sie in den jeweiligen Märkten wieder in den Lebensmittelkreislauf zurückführt. «So können wir regionale Wertschöpfung schaffen und gleichzeitig einen Beitrag zur globalen Ernährung leisten», so Vida.

Ein weiterer Schwerpunkt werde das Thema Energie sein, berichtet der Jungunternehmer. Upgrain werde künftig noch stärker auf die Energierückgewinnung und eine eigene thermische Energieproduktion in den Brauereien setzen. Vincent Vida: «Wir sehen hier eine grosse Chance, Upcycling und Energieeffizienz zu verbinden und damit nicht nur Rohstoffe, sondern auch Energie nachhaltig nutzbar zu machen.»

Dieser Artikel behandelt folgende SDGs

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, vereinbart von den UN-Mitgliedsstaaten in der Agenda 2030. Sie decken Themen wie Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser, erneuerbare Energie, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Klimaschutz und den Schutz der Ozeane und der Biodiversität ab.

9 - Industrie, Innovation und Infrastruktur
12 - Verantwortungvoller Konsum und Produktion
13 - Massnahmen zum Klimaschutz

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