Logo image

Sustainable Switzerland Forum

21. Oktober 2026, THE HALL

Thinking ahead – am SSF26

Seien Sie dabei.

Jetzt Ticket sichern
Zwei Handwerker mit Schutzhelmen verputzen auf einer Baustelle eine Backsteinwand.
Zwei Handwerker mit Schutzhelmen verputzen auf einer Baustelle eine Backsteinwand.

Handwerkliche Berufe sind zentral für eine zukunftsfähige Wirtschaft – erhalten aber oft zu wenig Status und Einkommen. Bild: Adobe Stock

Gesellschaft Partner Inhalt: One Planet Lab

Wir müssen Arbeit neu denken

Technologien, Märkte und Geschäftsmodelle verändern sich – doch die Transformation zu einer zukunftsfähigen Wirtschaft reicht tiefer. Sie stellt die Frage, welche Arbeit künftig Wert schafft, wie Leistung definiert wird und wo Menschen Sinn in ihrem beruflichen Handeln finden.

0

Teilen
Hören
Logo image

Wir müssen Arbeit neu denken

Teilen
Hören

3 Min.  •   • 

Die Transformation zu einer nachhaltigen und damit zukunftsfähigen Wirtschaft wird meist als technologische und wirtschaftspolitische Herausforderung beschrieben: Es geht um Dekarbonisierung, Energiewende, Kreislaufwirtschaft und neue Infrastrukturen – und deren Finanzierung. Weniger Aufmerksamkeit erhält die Frage, welche Rolle Arbeit in diesem Wandel spielt.

Dabei verändert die notwendige Transformation nicht nur Technologien, Produktionsweisen und Märkte, sondern fordert uns auch heraus, Arbeit neu zu bewerten: Welche Tätigkeiten sind gesellschaftlich wertvoll? Und worin finden Menschen Sinn?

Arbeit ist weit mehr als ein Mittel zur Einkommenserzielung. Sie gibt Struktur, schafft soziale Beziehungen und ermöglicht Teilhabe. Für viele Menschen ist sie Ausdruck von Identität und gesellschaftlichem Beitrag. Die meisten Menschen möchten nicht nur Geld verdienen, sondern durch ihre Arbeit Autonomie erleben, Verantwortung übernehmen und Wirkung entfalten.

Gleichzeitig verschiebt die Nachhaltigkeitstransformation auch die gesellschaftliche Bewertung von Arbeit. Tätigkeiten, die lange als randständig galten – reparieren statt ersetzen, sanieren statt neu bauen –, gewinnen an Bedeutung.

Gleichzeitig erhöht die Nachhaltigkeitstransformation die Nachfrage nach Tätigkeiten mit erkennbarem gesellschaftlichem Nutzen: Während viel über den Fachkräftemangel diskutiert wird, gibt es möglicherweise einen Mangel der «Passform»: Laut Gallup sind in Europa lediglich 12 Prozent der Beschäftigten engagiert bei der Arbeit. Rund 15 Prozent gelten gar als «aktiv distanziert»: Sie haben innerlich gekündigt und stehen ihrer Arbeit und ihrem Unternehmen emotional distanziert gegenüber.

Diese Zahlen verweisen auf ein grundlegendes Problem: Viele Menschen erleben ihre Arbeit als wenig gestaltbar oder gesellschaftlich unwichtig. Der Anthropologe David Graeber beschrieb dieses Unbehagen mit dem Begriff der «Bullshit Jobs». Seine These: Zahlreiche Beschäftigte empfinden die eigene Tätigkeit als gesellschaftlich irrelevant oder gar schädlich – trotz teilweise hoher Einkommen.

Graebers Erkenntnisse lassen sich auch an die Nachhaltigkeitstransformation übertragen: Welche Tätigkeiten schaffen gesellschaftlichen Nutzen? Und welche Arbeit ermöglicht Entfaltung, Teilhabe und Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft?

Viele der Berufe, die für eine zukunftsfähige Wirtschaft zentral sind – Pflege, Bildung, Reparatur, Handwerk, Energieversorgung oder Naturschutz – stiften einen hohen gesellschaftlichen Wert. Gleichzeitig gehören sie oft zu den Tätigkeiten mit niedrigerem Status oder Einkommen. Es braucht daher für die gesellschaftliche Aufwertung dieser Berufe zwingend eine öffentliche Debatte.

Dabei kann auch das Konzept der Exnovation, das durch die Innovation oft in den Schatten gestellt wird, helfen: das gezielte und bewusste Abschaffen oder Beenden von alten Technologien, Produkten, Verhaltensweisen – oder eben Jobs.

Eine Exnovation fossiler Technologien und Geschäftsmodelle wird unvermeidlich sein. Bemerkenswert ist, dass viele Beschäftigte diesen Wandel selbst antizipieren: In einer britischen Umfrage unter Beschäftigten der Öl- und Gasindustrie gaben mehr als 80 Prozent an, einen Wechsel in Betracht zu ziehen – in die Branche der erneuerbaren Energien.

Für eine zukunftsfähige Wirtschaft ist das positiv. Denn die ökologische Transformation braucht mehr als Investitionen, Regulierung und technologische Innovationen. Sie braucht Menschen, die bereit sind, diesen Wandel mitzutragen und mitzugestalten. Gerade in jenen Bereichen, die für die Transformation zentral sind – Energie, Sanierung, Reparatur, Bildung oder Naturschutz –, wird Motivation zunehmend zum Standortfaktor. Arbeit, die als gesellschaftlich relevant erlebt wird, stärkt Identifikation, Bindung und somit langfristig auch die Transformationsfähigkeit.

Die Arbeitswelt der Zukunft wird sich deshalb nicht allein an Effizienz und Produktivität bemessen. Sie entscheidet sich auch daran, ob es gelingt, Arbeit wieder stärker als gesellschaftlichen Beitrag zu verstehen.

Deklaration: Dieser Inhalt wurde von One Planet Lab im Rahmen der Partnerschaft mit Sustainable Switzerland selbst erstellt.

Der Autor ist Verantwortlicher für neue Wirtschaftsmodelle und Zukunftsfragen beim WWF Schweiz.

Dieser Artikel behandelt folgende SDGs

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, vereinbart von den UN-Mitgliedsstaaten in der Agenda 2030. Sie decken Themen wie Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser, erneuerbare Energie, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Klimaschutz und den Schutz der Ozeane und der Biodiversität ab.

8 - Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

Werbung

Beliebteste Artikel

Empfohlene Artikel für Sie

Christian Villiger, Libs

Nachhaltigkeit ist eine Haltung – gerade in der Berufsbildung

Nachhaltige Berufe
play button
Gesellschaft

Wie gefragt sind Berufe im Nachhaltigkeitsbereich?

Ähnliche Artikel

Zwei Handwerker mit Schutzhelmen verputzen auf einer Baustelle eine Backsteinwand.
Gesellschaft

Wir müssen Arbeit neu denken

Foto: BFH

Transformation braucht Bildung für die Kreislaufwirtschaft

Foto: Adobe Stock
Wirtschaft

Venture Capital: Investieren mit langfristiger Wirkung