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Wirtschaft Partner Inhalt: Boston Consulting Group (BCG)

Wie Unternehmen mit Hilfe von Daten ihre Lieferketten dekarbonisieren können

Regulierungsbehörden, Kunden und Investoren fordern Transparenz über Kohlenstoffemissionen von Unternehmen – und deren Lieferketten. Die intelligente Nutzung von Daten und eine CO₂-Datenbörse könnten diese Informationen liefern.

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Die Europäischen Union diskutiert seit Monaten, wie der Green Deal umzusetzen ist. Ziel ist es, die Treibhausgasemissionen in den EU-Ländern bis 2030 um 55 Prozent zu senken. Dazu ist ein ganzes Paket neuer Vorschriften geplant, die Klimaschutzmassnahmen fördern sollen. Betroffen sind nicht nur europäische Unternehmen, sondern auch solche, die Waren in den europäischen Binnenmarkt importieren. So soll im Oktober 2023 der «Carbon Border Adjustment Mechanism» - kurz CBAM starten. Das bedeutet, dass die Einfuhr energieintensiver Produkte mit einer Abgabe belegt wird, die sich nach dem jeweiligen Kohlenstoffgehalt richtet. Unternehmen aus Drittstaaten, wie beispielsweise Indien oder China, müssen dann für gewisse Produkte, die sie in die EU verkaufen wollen, die Kohlenstoffemissionen berechnen. In der Schweiz hergestellte Waren werden nicht in dieses Verfahren einbezogen, da sie im Rahmen des Schweizer Emissionshandelssystems, das mit dem europäischen Emissionshandelssystem verbunden ist, entsprechende Kohlenstoffkosten entrichtet haben.

Das CBAM-Verfahren ist alles andere als einfach. Unternehmen müssen den Kohlenstoff-Fußabdruck jedes Produkts an den jeweiligen Importeur übermitteln. Diese melden dann die Emissionen an die Regulierungsbehörden und entrichten dafür entsprechende Abgaben. Andernfalls drohen hohe Geldstrafen und die Waren bleiben beim Zoll hängen. Zunächst konzentriert sich der CBAM auf Emissionen, die direkt im Unternehmen entstehen, beispielsweise der Betrieb von Hochöfen oder Fuhrparks. Nach und nach werden die Bestimmungen auch auf Emissionen in der gesamten Lieferkette und auf eine breitere Palette von Produkten ausgedehnt. Die Unternehmen müssen sich also auf eine grosse Herausforderung einstellen.

Neue Regeln prüfen Emissionen und ESG-Kriterien

Neben CBAM sind Reformen des EU-internen Kohlenstoffpreissystems (EU ETS) sowie neue Abgaben für Schifffahrt, Strassenverkehr und Heizstoffe geplant. Grössere Unternehmen sollen zudem zu einer transparenteren Berichterstattung über die Umweltauswirkungen ihrer Tätigkeit verpflichtet werden. Die Corporate Sustainability Reporting Directive (kurz CSRD) sieht beispielsweise vor, dass die Unternehmen ihre Leistung anhand einer Reihe von ESG-Kriterien bewerten müssen. Die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) wird zurzeit noch diskutiert. Aktuell sind darin verpflichtende ESG-Audits in der gesamten Lieferkette sowie eine Berichterstattungspflicht über alle festgestellten Mängel enthalten. Die neue EU-Taxonomie hat das Ziel, grüne Unternehmen zu identifizieren und Investoren dabei zu unterstützen, Finanzmittel auf Aktivitäten zu konzentrieren, die sich positiv auf das Klima und die Umwelt auswirken.

Für Unternehmen bedeuten diese neuen Regularien: sie müssen zuverlässige Daten über ihre Umweltauswirkungen sammeln und melden. Weil moderne Lieferketten oftmals hochkomplex sind, geht dies mit enormen administrativen und technischen Herausforderungen einher. Der Schlüssel liegt in der intelligenten Nutzung von IT und Daten. «Die Dekarbonisierung wird erhebliche strategische und administrative Auswirkungen auf globale Lieferketten haben. Die Informationstechnologie wird es den Unternehmen ermöglichen, sich in dieser komplexen Landschaft zurechtzufinden. Sie wird auch dazu beitragen, dass Initiativen zur Dekarbonisierung wie der europäische Green Deal ihr volles Potenzial entfalten können. Von einer einheitlichen Datengrundlage profitieren sowohl die Industrie als auch die politischen Entscheidungsträger», sagt Michael Engels, Partner bei der Boston Consulting Group (BCG).

Datenbank zur Klimabilanzierung

Die Strategieberatung BCG und das Softwareunternehmen SAP arbeiten gemeinsam an Lösungen, die notwendigen Daten für Unternehmen und Aufsichtsbehörden verfügbar zu machen. Ein Grossteil der Daten, die für die Einhaltung der neuen Vorschriften benötigt werden, sind nach Einschätzung von BCG und SAP bereits in den IT-Systemen der Unternehmen vorhanden. Sie werden aber nicht in der richtigen Art und Weise erfasst, integriert und gemeldet. So können Zoll- und Grenzverwaltungssysteme zwar herkömmliche Zölle ermitteln und berechnen, aber nicht die Umweltinformationen melden, die für die Einhaltung der EU-CBAM erforderlich sind.

Bislang gibt es auch noch keine Lösung, um Daten entlang der gesamten Lieferkette zu erfassen und zu übermitteln. BCG und SAP haben die Idee einer CO2-Datenbörse entwickelt – eine Open-Source-Plattform, die den Austausch von Daten erlaubt. Produzenten, Importeure und Regulierungsbehörden könnten über eine solche Plattform schnell und zuverlässig die benötigten Informationen erhalten. «Unternehmen brauchen Lösungen, mit denen die Kohlenstoffemissionen nach der von der EU genehmigten Methode berechnet werden können und die es dann jedem in der Wertschöpfungskette ermöglichen, diese Informationen einfach und sicher über einen Datenaustausch zu nutzen und auf dieser Basis die anfallenden Steuern korrekt zu berechnen», sagt Tim Figures, Associate Director EU & Global Trade and Investment bei BCG.

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Tim Figures Associate Director EU & Global Trade and Investment Weitere Informationen auf LinkedIn

Dr. Michael Engels Partner Weitere Informationen auf LinkedIn

Deklaration: Dieser Inhalt wurde vom Sustainable Switzerland Editorial Team im Auftrag von BCG erstellt.

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